Brandenburg ist seit Generationen von der Kiefer geprägt. Für Forstwirtschaft, Sägewerke, Holzwerkstoffindustrie und zunehmend auch für den Holzbau bildet sie eine zentrale Rohstoffbasis. Gleichzeitig steht gerade der Brandenburger Wald vor einem tiefgreifenden Umbau.

Trockenperioden, hohe Temperaturen und Kalamitäten verändern die Bedingungen. In Südbrandenburg kommen besonders geringe Niederschläge und vielerorts schwache Standorte hinzu. Allein für Privat- und Kommunalwälder werden landesweit rund 370.000 Hektar als dringend umzubauen eingeschätzt. Rund 150.000 Hektar davon sind älter als 80 Jahre.

Diese Entwicklung betrifft die Holzbranche unmittelbar. Ein Baum, der heute gepflanzt wird, wird erst in Jahrzehnten zum Rohstoff. Die Entscheidungen im Wald legen deshalb einen Teil der industriellen Rohstoffbasis weit in die Zukunft fest.

Welche Partner bekommt die Kiefer?

Wie offen diese Frage noch ist, lässt sich derzeit in Südbrandenburg beobachten. Im Privatforstbetrieb Lenz/Wendling-Lenz wurde ein langfristiger Baumartenversuch eingerichtet. Die Märkischen Walddienstleistungen begleiten das Projekt, wissenschaftlich beteiligt sind unter anderem Fachleute der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde.

Getestet werden unterschiedliche Baumarten und Herkünfte. Mit Korsischer Schwarzkiefer, Türkischer Tanne und Atlaszeder stehen mehrere Nadelbaumarten im Mittelpunkt. Hinzu kommen unter anderem Esskastanie und Baumhasel. Die Versuche sollen zeigen, wie die Arten unter den konkreten Standortsbedingungen Südbrandenburgs anwachsen, welche Schäden auftreten und wie sich ihre Wuchsdynamik entwickelt.

Die ersten Jahre dienen vor allem dem Monitoring von Anwuchs, Höhe, Durchmesser sowie Frost- und Fraßschäden. Eine erste grundsätzliche Bewertung der Anbaueignung ist je nach Entwicklung erst nach zehn bis zwanzig Jahren vorgesehen.

Das macht auch deutlich, wie langfristig die Rohstofffrage angelegt ist. Die Kiefer bleibt für Brandenburg noch lange eine Schlüsselbaumart. Der Waldumbau erweitert aber die Palette. Für die Holzbranche werden damit neben Waldstabilität auch Eigenschaften wie Festigkeit, Dimensionen, Trocknung, Sortierbarkeit und Verarbeitbarkeit neuer Sortimente interessant.

Waldumbau und Holznutzung gehören in dieselbe Rechnung

Das Südbrandenburger Projekt verbindet beide Seiten ausdrücklich. Als Ziel werden die ökologische Stabilität des Waldökosystems, Risikominimierung und Biodiversität genannt. Gleichzeitig soll ein standortoptimaler Holzzuwachs und dessen Nutzung gesichert werden.

Damit trifft der Versuch einen Punkt, der in der öffentlichen Walddebatte häufig zu kurz kommt. Ein klimaresilienter Wald muss viele Funktionen gleichzeitig erfüllen. Er soll Kohlenstoff speichern, Lebensraum bieten, Wasserhaushalt und Boden schützen und weiterhin einen erneuerbaren Rohstoff liefern.

Auch der Global Forest Goals Report 2026 der Vereinten Nationen behandelt diese Funktionen gemeinsam. Eines der sechs globalen Waldziele verbindet die Ausweitung nachhaltig bewirtschafteter Wälder ausdrücklich mit einem höheren Anteil von Produkten aus nachhaltiger Forstwirtschaft. Europa verfügt dabei bereits für 94 Prozent seiner Waldfläche über langfristige Bewirtschaftungspläne. Zertifizierung, Rückverfolgbarkeit und nachhaltige Beschaffung spielen im Bericht ebenfalls eine wichtige Rolle.

Für eine Region wie Berlin-Brandenburg ist das besonders relevant. Brandenburg verfügt über große Waldflächen und eine starke Forst- und Holzwirtschaft. Berlin erzeugt eine hohe Nachfrage nach Wohnraum und öffentlichen Gebäuden. Die wirtschaftliche Perspektive des Waldumbaus hängt deshalb auch davon ab, ob aus den verfügbaren Hölzern hochwertige Produkte mit langen Nutzungszeiten entstehen.

Die Klimawirkung setzt sich im Gebäude fort

Der Holzbau ist dafür ein besonders langlebiger Absatzmarkt. Tragende Bauteile, Wände und Decken bleiben häufig über viele Jahrzehnte im Gebäude. Der im Holz gespeicherte Kohlenstoff bleibt während dieser Zeit gebunden. Zusätzlich können Holz- und Holzhybridkonstruktionen Materialien mit höheren Herstellungsemissionen ersetzen.

Diese Wirkung wurde bereits 2017 in der deutschen THG-Holzbau-Studie um Annette Hafner auf Gebäude- und nationaler Ebene untersucht. Die Studie verband Kohlenstoffspeicherung und Materialsubstitution mit Szenarien für steigende Holzbauquoten im Wohnungsneubau.

Die reduce-Studie der TU Wien liefert dazu aktuelle Kennwerte für den mehrgeschossigen Wohnungsbau. Grundlage sind 20 geplante oder realisierte österreichische Wohnprojekte. Für jedes Projekt wurde eine funktional gleichwertige Variante in der jeweils anderen Bauweise modelliert. Verglichen wurden die relevanten Teile der Primärkonstruktion in den Modulen A1 bis A3, also Rohstoffbereitstellung, Transport und Herstellung.

Im Durchschnitt beträgt die Differenz zwischen Holz beziehungsweise Holzhybrid und Stahlbeton 204 Kilogramm CO₂-Äquivalente je Quadratmeter Bruttogeschossfläche. Darin enthalten sind sowohl geringere fossile Herstellungsemissionen als auch der temporäre biogene Kohlenstoffspeicher.

Bei 5.000 Quadratmetern BGF ergibt das rechnerisch gut 1.000 Tonnen CO₂-Äquivalente. Die Zahl ist kein pauschaler Bilanzwert für jedes Holzgebäude. Konstruktion, Materialanteile, Transportwege und Gebäudeklasse verändern das Ergebnis. Sie zeigt aber die Größenordnung, die allein über die Wahl der Primärkonstruktion bewegt werden kann.

Was heute im Wald beginnt

Für Berlin-Brandenburg laufen damit zwei Entwicklungen parallel. In Brandenburg wird an den Beständen gearbeitet, aus denen künftig Holz kommen soll. Gleichzeitig wächst in Berlin und Brandenburg die Nachfrage nach Holz- und Holzhybridbau im Geschosswohnungsbau, bei öffentlichen Gebäuden und in der Nachverdichtung.

Die Kiefer bleibt dabei zunächst der wichtigste Rohstoff. Ihre hochwertige Nutzung im konstruktiven Bereich bietet noch Potenzial. Mit dem Waldumbau kommen langfristig weitere Baumarten und Sortimente hinzu. Darauf müssen sich Forschung, Sägewerke, Holzwerkstoffindustrie und Bauwirtschaft rechtzeitig einstellen.

Mit Landesbeirat Holz und dem Holzbaucluster Berlin-Brandenburg arbeiten wir an dieser Verbindung, denn für eine funktionierende regionale Wertschöpfungskette muss man den Wald und Holzbau zusammen betrachten. Der Waldumbau entscheidet mit darüber, womit wir in Zukunft bauen können. Der Holzbau entscheidet mit darüber, welchen Wert wir aus diesem Rohstoff schaffen.

Vom Papier in den Wald

Wie Waldumbau, Rohstoffversorgung und Holzbau zusammenhängen, wollen wir nicht nur im Newsletter diskutieren. Am 18. September 2026 gehen wir gemeinsam mit dem Landesbetrieb Forst Brandenburg in den Wald.

Bei unserem Waldspaziergang „Wohnen mit regionalen Wurzeln – Der Wald als Ressource für nachhaltiges Bauen“ führt Herr Hohm vom Landesbetrieb Forst Brandenburg durch die Bestände rund um Fangschleuse. Im Mittelpunkt stehen genau die Fragen, die auch dieser Beitrag aufwirft: Welche Zukunft hat die Kiefer? Wie verändert sich der märkische Wald durch Trockenheit und Waldumbau? Welche Rolle spielen Mischbaumarten bei der Risikostreuung? Und wie lässt sich langfristig eine Rohstoffbasis sichern, die Waldentwicklung und Holzbau zusammenbringt?

18. September 2026 | 13:00–16:00 Uhr | S-Bahnhof Fangschleuse

Nach dem Rundgang gibt es bei einem Imbiss aus dem Dutch Oven Gelegenheit zum fachlichen Austausch. Die Teilnehmerzahl ist auf rund 25 Personen begrenzt.

Informationen und Anmeldung

Global Forest Goals Report 2026: https://www.iufro.org/publication/the-global-forest-goals-report-2026

reduce Studie: https://repositum.tuwien.at/bitstream/20.500.12708/228014/2/Troy-2026-reduce%20%20CO-Einsparpotenzial%20durch%20verstaerkten%20Einsatz%20von%20Holz…-vor.pdf