In Treptow-Köpenick realisiert Schrobsdorff Bau im Auftrag der degewo, eines der größten kommunalen Wohnungsbauunternehmen Berlins, ein Pilotprojekt in Holz-Hybridbauweise.

Das Projekt im Mühlweg 15 entstand auf Initiative des Büros Wilk Salinas Architekten zusammen mit CapRate, um Bauweisen mit CO₂-reduziertem Beton zu untersuchen. Ziel war es nicht nur, ein effizientes Wohngebäude zu entwickeln, sondern auch verschiedene Konstruktionssysteme zu vergleichen und ihre praktische Umsetzbarkeit im Wohnungsbau zu prüfen. Auf Grundlage der Erfahrungen von degewo mit anderen Wohngebäuden aus Holz wurde das Staffelgeschoss in leichter Holzbauweise geplant.

Ana Salinas, Architektin BDA (Wilk Salinas Gesellschaft von Architekten mbH):
„Aus meiner Sicht als Architektin bringt Holz eine besondere architektonische und räumliche Qualität mit sich, die über das Thema Nachhaltigkeit hinausgeht. Mit Holz zu bauen bedeutet, mit einem leichteren, präziseren und trockenen Bausystem zu arbeiten. Die Bauteile werden sehr genau gefertigt und brauchen eine gut koordinierte Planung. Dadurch werden Bauzeit, Lärm und Abfall auf der Baustelle reduziert. Gleichzeitig verändert sich auch die Art des Entwerfens: Das Bauen wird effizienter, stärker industrialisiert und bleibt trotzdem menschlich und nahbar.

In diesem Projekt funktioniert das Holzgeschoss wie eine leichte Schicht auf einer massiveren Struktur. Dieser Unterschied ist auch räumlich spürbar. Holz ermöglicht filigranere Elemente, eine leichtere Konstruktion und eine wärmere Atmosphäre im Innenraum. Auch wenn die Konstruktion nicht vollständig sichtbar bleibt, beeinflusst die Bauweise die Wahrnehmung des Raumes: Akustik, Materialität und Proportionen erzeugen ein anderes Gefühl von Komfort und Nähe.

Gleichzeitig verlangt der Holzbau eine hohe technische Präzision. Anschlüsse, Brandschutz, Feuchtigkeitsschutz und Schallschutz brauchen eine deutlich genauere Planung als traditionelle Bauweisen. Viele architektonische Entscheidungen hängen direkt von der konstruktiven Logik ab. Gerade deshalb führt Holzbau oft zu einem bewussteren und konsequenteren Entwurfsprozess.

Ich denke, Projekte wie Mühlweg 15 zeigen, dass die Diskussion zwischen Holz und Beton nicht als Gegensatz zwischen einem „besseren“ oder „schlechteren“ System geführt werden sollte. Beide Materialien haben ihre eigenen Qualitäten, und die eigentliche architektonische Aufgabe besteht darin, sie intelligent und passend zum jeweiligen Projekt einzusetzen.

Holz bringt Leichtigkeit, Präzision und hohe räumliche Qualität; Beton dagegen Robustheit, Speichermasse und strukturelle Leistungsfähigkeit. Es geht deshalb nicht darum, ein Material vollständig durch ein anderes zu ersetzen, sondern hybride und stimmige Lösungen zu entwickeln, die die Vorteile beider Systeme nutzen. Das Projekt versucht daher nicht zu zeigen, dass eine Bauweise besser ist als die andere, sondern wie unterschiedliche Materialien zusammen genutzt werden können, um nachhaltiger und architektonisch hochwertiger zu bauen.“

Robert Weber, Projektleiter (Schrobsdorff Bau AG):

“Die Holzbauweise wie hier im Mühlweg 15 ist nach wie vor eine vergleichsweise junge und frische Bauweise. In vielen Detailpunkten muss bereits in der anfänglichen Planung weitergedacht werden, als bei herkömmlichen Bauweisen. Für uns als Generalübernehmer muss bei solchen Projekten deshalb schon früh ein besonderes Augenmerk auf verschiedenen Themen liegen. Kleine Änderungen an den fertigen Ansichten innen oder außen können direkte Auswirkungen auf die großen Aspekte Brand-, Schall-, Feuchteschutz und Statik haben. Aber auch umgekehrt haben bestimmte Vorgaben der Fachplaner sichtbare Folgen für das spätere Produkt. Es müssen bereits während der Planung alle Themen bis zum Ende gedacht werden und jede Detailplanung für jeden Anschluss und jede Durchführung beachtet werden. Nur so kann sichergestellt werden, dass der Bauherr das bekommt, was er sich wünscht und wir als Ausführende wissen, dass die Planung ohne Sorge umgesetzt werden kann.

Der Holzbau in dieser Größenordnung hat zu ziemlich jedem Gewerk Schnittstellen, die es zu beachten und im Vorfeld zu minimieren gilt. Ebenfalls müssen Folgegewerke Hand in Hand mit dem Holzbau arbeiten, um den Vorteil der schnellen Bauweise komplett auszunutzen und um durch Faktoren wie z.B. Witterung keine neuen Probleme aufzumachen. All das erfordert eine aufmerksame und vorausschauende Koordination.

Es ist ratsam die ausführende Firma des Holzbaus bereits mit einer möglichst genauen Planung frühzeitig mit ins Boot zu holen. Bei diesem Projekt hat die Zusammenarbeit mit der Arche Naturhaus GmbH dabei einen wichtigen Beitrag geleistet. Die Lage der Deckenbalken hat z.B. direkten Einfluss auf Leitungswege und -schächte und damit auf den Grundriss bis hin in die untersten Geschosse.

Das Staffelgeschoss hier beim degewo-Projekt Mühlweg 15 passt nicht nur ins große Bild der Nachhaltigkeit, sondern lockert die Ansicht direkt auf. Die Holzbauweise ist ein kleiner Gegensatz zur oft gleich scheinenden Außenansicht der Neubauten und wirkt dadurch als perfekte Ergänzung. Schon während der Bauphase ist ein anderes Raumgefühl zwischen den Geschossen zu merken. Außerdem ist es für Bauherren eine Möglichkeit, sich bei der Vermarktung durch interessante Innen- und Außenansichten vom bisher vorherrschenden Markt abzusetzen.”

 

Gastbeitrag unseres PLUS Partners | Dieser Artikel entstand in Kooperation mit unserem Premium-Mitglied Schrobsdorff Bau AG.

Fotos: Schrobsdorff Bau AG