„Der erfolgreiche Abschluss hat uns gezeigt, dass scheinbar Unmögliches möglich wird – durch klare Fokussierung und gemeinsamen Willen.“ – Burkhardt Schröder

Von der Baugenehmigung bis zur fertigen Kita in nur sechs Monaten – mitten in der Pandemie. Was vor Projektbeginn nahezu unmöglich erschien, hat Burkhardt Schröder mit seinem Team realisiert.
Im Interview erzählt er uns, wie Rückbau ohne Materialverlust und Wiederaufbau am neuen Standort gelang – und warum Bürokratie heute zu den größten Hemmnissen für Holzbau zählt.
Burkhardt Schröder führt als Geschäftsführer das Unternehmen MAX Holzbau mit Standorten in Berlin, Ruhlsdorf und Trampe. Gemeinsam mit seinem Team setzt er auf modulare Holzsysteme, Nachhaltigkeit und Innovation – stets mit Blick auf ein „nachhaltiges Morgen“ in der Region Berlin-Brandenburg.

Michel Reckhaus: Wenn du an dein bisher bestes Projekt denkst: Gab es einen Schlüsselmoment oder eine besondere Herausforderung, die dich und dein Team besonders geprägt hat?

Burkhardt Schröder: Im Januar 2020 erhielten wir den Auftrag zur Errichtung einer Kindertagesstätte in der Leipziger Straße in Berlin-Mitte. Es war das bis dahin zweite Objekt, welches wir vermietet haben. Mieter war das Bundesministerium der Finanzen. Aufgrund der temporären Nutzung entschieden wir uns für eine modulare Bauweise.
Bereits am 15. Juli 2020 sollte die Kita schlüsselfertig zur Nutzung übergeben werden. Trotz der pandemiebedingten Einschränkungen ab März konnten wir diesen ehrgeizigen Zeitplan einhalten. Dies war nur durch eine herausragende Teamarbeit aller Beteiligten möglich.

Michel Reckhaus: Welche besonderen architektonischen oder konstruktiven Lösungen machen dieses Projekt für dich so einzigartig?

Burkhardt Schröder: Modulbau sollte hier nicht gleichbedeutend mit Einheitsarchitektur sein, das war unser gemeinsamer Anspruch mit den Arhcitekt:innen. Die Kita wurde mit moderner Wärmepumpentechnik beheizt und im Sommer mit der Energie der PV-Anlage die Raumtemperatur über die Wärmepumpe reduziert.
Besonders hervorzuheben ist das Rückbaukonzept: Die Konstruktion wurde so geplant, dass ein Rückbau in kürzester Zeit ohne Materialverluste möglich werden konnte.

Michel Reckhaus: Wie hast du bei diesem Projekt die Zusammenarbeit mit Architekt:innen, Bauherr:innen und anderen Gewerken erlebt — was hat gut funktioniert, was würdest du heute anders machen?

Burkhardt Schröder: Die enge, partnerschaftliche Zusammenarbeit aller Beteiligten war die zentrale Grundlage für den Projekterfolg. Rückblickend würde ich den Prozess genauso wieder gestalten.

Michel Reckhaus: Gab es bei diesem Holzbau Aspekte der Nachhaltigkeit oder Regionalität, auf die du besonders stolz bist?

Burkhardt Schröder: Nach dem Rückbau Ende 2023 konnten wir die gesamte Kita an unserem zweiten Produktionsstandort originalgetreu wieder aufbauen. Durch die vollständige Wiederverwendung der Materialien und die Nähe zum neuen Standort konnten unsere Nachhaltigkeits- und Regionalitätsziele in idealer Weise verwirklicht werden.

Michel Reckhaus: Welche Lehren aus diesem Projekt beeinflussen deine Arbeit heute und welche Holzbau-Vision hast du für deine kommenden Projekte?

Burkhardt Schröder: Als der Auftrag erteilt wurde, schien es kaum realistisch, das Projekt inklusive Planung in nur sechs Monaten abzuschließen. Der erfolgreiche Abschluss hat uns gezeigt, dass scheinbar Unmögliches möglich wird – durch klare Fokussierung und gemeinsamen Willen.
Der Holzbau konfrontiert uns tagtäglich mit neuen Herausforderungen. Wir möchten auch künftig ambitionierte Projekte realisieren und gemeinsam mit dem Markt wachsen.

Michel Reckhaus: Mit Blick auf deine Erfahrung: Welche Erwartungen hast du an Politik und Projektbeteiligte, um weiterhin möglichst guten Holzbau für Berlin und Brandenburg umsetzen zu können?

Burkhardt Schröder: In den letzten Jahren haben wir vermehrt Projekte in Hybridbauweise umgesetzt. Anfangs mangelte es am gegenseitigen Verständnis zwischen Beton- und Holzbau. Heute wissen wir: Nur durch Zusammenarbeit auf Augenhöhe entstehen erfolgreiche Projekte.
Die Politik ist gefordert, klare und verlässliche Rahmenbedingungen zu schaffen. Leider fehlte es in der Vergangenheit oft an Kontinuität. Erste positive Entwicklungen sind spürbar – nun braucht es eine konsequente Umsetzung bis in die Verwaltung.
Apropos Verwaltung: Wir erleben eine wachsende Flut an Auflagen und Vorschriften. Von Entbürokratisierung ist bislang wenig zu sehen. Hier muss dringend nachgebessert werden, wenn Holzbau auch in Zukunft wirtschaftlich und effizient realisierbar bleiben soll.

Vielen Dank lieber Burkhardt Schröder für dieses ausführliche Interview und wir freuen uns sehr auf die nächsten gemeinsamen Projekte.

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