Der Wohnungsbau steht weiter unter Druck, aber die aktuellen Baugenehmigungszahlen zeigen: Nicht alle Bauweisen kommen gleich durch diese Krise. Dort, wo Tempo, Vorfertigung und Planbarkeit wichtiger werden, gewinnt der Holzbau an Bedeutung. Das ist kein Zufall.
Moderner Holzbau ist heute häufig seriell, modular und industriell vorgefertigt. Er steht damit nicht nur für einen anderen Baustoff, sondern für eine andere Art zu bauen: planbarer, schneller montierbar, mit weniger Baustellenaufwand und mit Vorteilen für den Klimaschutz. Genau diese Eigenschaften braucht der Wohnungsbau jetzt.
Für Berlin und Brandenburg fällt der Blick auf die Holzbauquote 2025 deshalb besonders aufschlussreich aus.
Berlin liegt bei Mehrfamilienhäusern mit 12,8 Prozent deutlich über dem Bundesdurchschnitt von 8,2 Prozent. Das ist ein starkes Signal: Mehrgeschossiger Holzbau ist in der Hauptstadt kein reines Leuchtturmthema mehr. Berlin ist hier auf einem guten Weg und sollte diesen Kurs konsequent weitergehen.
Brandenburg zeigt ein differenzierteres Bild. Als Flächenland mit vielen kleineren Städten und Gemeinden spielt der Ein- und Zweifamilienhausbau dort naturgemäß eine deutlich größere Rolle als in Berlin. In diesem Segment erreicht Brandenburg eine Holzbauquote von 23,6 Prozent, ein solider Wert, der zeigt: Die Bauweise ist bekannt, die Unternehmen können liefern, der Markt ist vorhanden.
Die eigentliche Baustelle liegt im mehrgeschossigen Wohnungsbau. Dort kommt Brandenburg nur auf 5,1 Prozent Holzbauquote.
Gerade in dem Segment also, in dem serielles und vorgefertigtes Bauen besonders helfen könnte, bei bezahlbarem Wohnraum, wachsendem Bedarf im Berliner Umland, knappen Fachkräften und steigenden Baukosten, bleibt Holz noch deutlich hinter seinen Möglichkeiten zurück.
Die Frage ist deshalb nicht, ob Holzbau in der Region funktioniert. Das zeigen uns auch die zahlreichen eingereichten Projekte zu unserem Holzbaupreis Berlin-Brandenburg längst. Die Frage ist, warum er in Brandenburg noch nicht überall dort zur selbstverständlichen Option wird, wo seine Stärken besonders gebraucht werden.
Berlin muss jetzt auf dem guten Holzweg bleiben: mit verlässlichen Verfahren, mutigen Bauherr:innen, kompetenten Genehmigungsstrukturen und einer Planungskultur, die Holzbau früh mitdenkt.
Brandenburg muss die Weichen stellen: in Bauordnung, Vergabe, Förderung, Verwaltungspraxis und politischer Prioritätensetzung. Denn wer schneller, planbarer und klimafreundlicher bauen will, kommt an vorgefertigten und systematischen Bauweisen nicht vorbei. Und wer diese Bauweisen stärkt, stärkt in der Praxis auch den Holzbau.
