Die Zahlen sind ernst: Fast 40 Prozent der brandenburgischen Waldflächen zeigen deutliche Schäden. Doch das ist kein Abschied von der märkischen Kiefer. Es ist ein Befund über das Tempo des Klimawandels und ein Argument dafür, dass wir mit Holzbau genau jenen Emissionen entgegenwirken müssen, die den Wald erst unter Druck setzen.
Mit der Veröffentlichung des Waldzustandsberichts 2025 steht fest: Der Gesundheitszustand der brandenburgischen Wälder ist so angespannt wie selten zuvor. Fast 40 Prozent der Waldfläche weisen deutliche Schäden auf, nur noch rund 8 Prozent gelten als gesund. Im Durchschnitt fehlen den Bäumen inzwischen etwa 28 Prozent ihrer Nadeln oder Blätter, ein neuer Höchstwert. Fast jeder dritte Baum ist sichtbar geschwächt. In Berlin ist die Lage noch zugespitzter: Auf 46 Prozent der Waldfläche zeigen die Bäume deutliche Schäden, ein Anstieg um 9 Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr und der höchste Wert seit Beginn der Erhebung 1991.
Was diese Zahlen wirklich bedeuten
Diese Befunde sind ernst zu nehmen, aber sie erfordern eine nüchterne Einordnung. Die Hauptursache ist nicht die Kiefer selbst, sondern das Tempo des Klimawandels. Die Dürrejahre 2018, 2019, 2020 und 2022, ein erneut sehr trockenes Frühjahr 2025 und Spätfröste im April und Mai haben vor allem die älteren, weniger anpassungsfähigen Baumbestände getroffen. Junge Bestände reagieren deutlich flexibler und genau das ist der entscheidende Hinweis für den Waldumbau: Kiefer und Eiche bleiben die prägenden Zukunftsbaumarten Brandenburgs. Was sich verändern muss, ist die Bestandsstruktur: mehr Mischung, mehr Verjüngung, mehr klimaresilienter Aufbau.
Warum das für uns keine reine Forstgeschichte ist
Für die Holzbranche ist der Bericht in zwei Richtungen relevant. Zum einen unterstreicht er, dass passiver Waldschutz allein keine Antwort ist. Wer einen geschwächten Wald hat, muss ihn aktiv umbauen und das funktioniert nur, wenn Holz verwertet, verarbeitet und in langlebige Produkte gebracht wird. Kaskadennutzung bedeutet nicht, den Rohstoff im Wald zu lassen, sondern ihn dort einzusetzen, wo er dauerhaft Kohlenstoff speichert: im Bauen.
Zum anderen schließt sich hier ein wichtiger Kreis: Der schlechte Zustand unserer Wälder ist eine direkte Folge von Emissionen, die wir als Gesellschaft noch nicht ausreichend gesenkt haben. Jeder Kubikmeter regional verbautes Holz hilft, genau diese Emissionen zu reduzieren: durch Baustoffsubstitution, durch langfristige CO₂-Speicherung in Gebäuden, durch Ressourceneffizienz. Der Holzbau ist damit keine Reaktion auf den Waldzustand. Er ist Teil der Antwort auf seine Ursache.
Gerade die märkische Kiefer ist regional in großen Mengen verfügbar, und die Verarbeitung vor Ort existiert. Was fehlt, ist eine verlässliche Brücke zwischen Forstbetrieb, Sägewerk, Verarbeiter und Bauherrschaft. Genau an dieser Stelle setzt unsere Arbeit im Holzbaucluster Berlin-Brandenburg an: transdisziplinär, über die gesamte Wertschöpfungskette hinweg, von Forst und Forschung bis zum fertigen Gebäude.
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