SPD und CDU haben in Brandenburg unterschrieben. Unter erheblichem Haushaltsdruck und mit dem Versprechen auf Tempo. Für die Holzbranche steckt mehr im Vertrag als auf den ersten Blick sichtbar wird: Typengenehmigungen, Bauordnungsnovelle, Bioökonomie, regionale Wertschöpfung. Kein Holzprogramm, aber konkrete Anschlussstellen. Unsere Einordnung.
Nach dem Bruch der SPD/BSW-Koalition Anfang Januar hat Brandenburg seit Mitte März wieder eine handlungsfähige Landesregierung. SPD und CDU haben ihren Koalitionsvertrag „Verantwortung für Brandenburg“ am 16. März unterzeichnet; das neue Kabinett wurde am 18. März ernannt und im Landtag vereidigt. Ministerpräsident Woidke stellt „Sicherheit und Stabilität“ in den Mittelpunkt. Gleichzeitig läuft die gesamte Regierungsarbeit unter erheblichem Haushaltsdruck, der politische Grundton ist klar: Stabilität, Sicherheit und Haushaltsdisziplin. Für die Wertschöpfungskette Holz ist dieser Vertrag kein Spezialprogramm, aber er enthält an mehreren Stellen Hebel, mit denen man arbeiten kann.
Allgemeine Linie: Bürokratieabbau und Digitalisierung
Förderverfahren sollen digitalisiert, landeseigene Überregulierung überprüft und Verwaltungsprozesse beschleunigt werden. Förderrichtlinien sollen standardisiert, Digitalchecks eingeführt und zentrale OZG-Leistungen schneller bereitgestellt werden. Für unsere Branche, die häufig an Reibungsverlusten zwischen Planung, Genehmigung und Ausführung leidet, klingt das vielversprechend.
Rohstoffbasis: Holz als nachwachsender Rohstoff benannt
Der Koalitionsvertrag betont, dass Brandenburgs Wälder vielfältige Funktionen erfüllen und zugleich den nachwachsenden Rohstoff Holz bereitstellen. Unterstützt werden sollen der Landesforstbetrieb, die Forstbetriebsgemeinschaften und die Waldbauernschule. Hinzu kommt eine wirtschaftspolitische Linie, die für unsere Branche besonders interessant ist: Die Koalition will die Brandenburger Bioökonomie mit ihren Wertschöpfungsketten weiterentwickeln und regionale Wertschöpfung im Verbund Brandenburg/Berlin stärken. Das ist keine Holzstrategie im engeren Sinne, aber eine gute Grundlage, um die stoffliche Nutzung von Holz und die regionale Verarbeitung politisch weiter zu verankern.
„Schneller bauen für mehr bezahlbares Wohnen“
Für den Holzbau selbst liegt der entscheidende Abschnitt im Kapitel zum Wohnungsbau. Dort nennt die Koalition die Bauordnungsnovelle ausdrücklich einen „richtigen Schritt“ und kündigt weitere Vereinfachungen im parlamentarischen Verfahren an. Bis Ende 2026 soll das digitale Baugenehmigungsverfahren flächendeckend eingeführt werden. Hinzu kommen die Überprüfung energetischer Standards, mehr Quartierslösungen, die Vereinfachung seriellen und modularen Bauens durch Typengenehmigungen – ausdrücklich auch für Schulen, Kitas und Wohnungen – sowie die Fortführung der Kompetenzstelle Nachhaltiges Bauen. Das ist keine Holzbauoffensive mit eigenem Budget, aber ein deutlich prozesspolitischer Rückenwind für genau die Bauweise, die von Standardisierung, Vorfertigung und Wiederholung lebt. Die Stoßrichtung deckt sich mit den Positionen, die wir als Landesbeirat Holz in der Verbändeanhörung zur Bauordnungsnovelle eingebracht haben, insbesondere die Anerkennung von Typengenehmigungen und die Anlehnung an die Musterbauordnung.
Einschätzungen
Die Brandenburger IHKs begrüßen die schnelle politische Klarheit und den sachlichen Stil, verweisen aber darauf, dass sich die Wirkung erst in der praktischen Umsetzung zeigen wird. Die Fachgemeinschaft Bau erwartet vom Regierungsstart vor allem Tempo, Dialog, klare Zuständigkeiten und zügige Entscheidungen.
Unser Fazit
Für die Wertschöpfungskette Holz ist der neue Koalitionsvertrag kein Strategiepapier, aber er eröffnet Anschlussstellen. Wer Rohstoffbasis, regionale Verarbeitung und Holzbau zusammen denkt, findet in diesem Papier mehr Chancen als im ersten Überblick sichtbar wird. Entscheidend wird nun sein, ob Brandenburg die angekündigten Vereinfachungen im Bau- und Verwaltungsrecht konsequent umsetzt und ob aus Bioökonomie und regionaler Wertschöpfung auch praktisch eine stärkere Holzverwendung im Bauen wird.
Zum Koalitionsvertrag Brandenburg 2026
